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Wie macht man es eigentlich richtig?

Ich möchte dir eine Geschichte erzählen, die in unterschiedlichen Varianten überliefert ist.

Ein Vater und sein Sohn waren mit einem Esel unterwegs. Zunächst ritt der Sohn, während der Vater zu Fuß ging. Doch schon bald hörten sie: „Wie kann der Junge nur auf dem Esel sitzen und seinen alten Vater laufen lassen?“

Also tauschten sie die Plätze. Nun saß der Vater auf dem Esel. Doch auch das war nicht richtig: „Der arme Junge muss laufen, während sein Vater es sich bequem macht.“

Daraufhin saßen beide auf dem Esel. Aber auch damit waren die Menschen nicht zufrieden. Sie würden das Tier überlasten, hieß es.

Also stiegen beide ab und liefen neben dem Esel her.

Doch auch jetzt gab es etwas auszusetzen.

Am Ende mussten sie erkennen: Es wird immer jemanden geben, der etwas anders beurteilt.

Vielleicht liegt die Lösung deshalb nicht darin, es allen recht zu machen. Vielleicht geht es vielmehr darum, die unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen – und trotzdem den eigenen Standpunkt nicht aus den Augen zu verlieren.

Genau hier beginnt ein interessantes Thema des Tierkreiszeichens Waage:

Wie viel Rücksicht auf andere ist gesund – und wann verliere ich mich selbst darin?

Wenn die Bedürfnisse der anderen wichtiger werden als die eigenen

Viele Menschen kennen diese Herausforderung: Die eigenen Gedanken kreisen ständig um das Wohl des Gegenübers. Ob Partner, Kinder, Chef, Freund oder Freundin – man möchte es allen recht machen und dafür sorgen, dass sich möglichst niemand unwohl fühlt.

Und irgendwann sind alle zufrieden – nur man selbst bleibt zurück.

Oft ist dieses Verhalten so selbstverständlich geworden, dass die eigene Unzufriedenheit gar nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. Man funktioniert, passt sich an, wägt ab und versucht, die richtige Lösung für alle zu finden.

Bis irgendwann die Frage auftaucht:

„Und was möchte eigentlich ich?“

Wenn ich meine Klienten danach frage, welche Bedürfnisse sie selbst haben, wird es manchmal plötzlich sehr still.

Nicht selten zeigt sich, dass sie sich mit dieser Frage bisher kaum beschäftigt haben. Eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, kann sich dann beinahe ungewohnt oder sogar egoistisch anfühlen.

„Nein, das ist doch egoistisch.“

„Keineswegs!“, antworte ich darauf.

Denn die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen bedeutet nicht, die Bedürfnisse anderer zu ignorieren.

Es bedeutet zunächst einmal, sich selbst ebenfalls in die Gleichung einzubeziehen.

Was wäre, wenn der Vater seinen eigenen Standpunkt behalten hätte?

Stellen wir uns die Bilder der Geschichte noch einmal vor.

Was wäre gewesen, wenn der Vater nicht bei jeder Bemerkung von außen seine Entscheidung verändert hätte?

Vielleicht hätte er gemeinsam mit seinem Sohn überlegt: Wie lange möchte der Sohn reiten? Wann möchte der Vater reiten? Wann braucht der Esel eine Pause? Was ist für beide angenehm?

Dann hätte es nicht darum gehen müssen, die richtige Lösung für alle anderen zu finden.

Es hätte darum gehen können, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für die Beteiligten stimmig ist.

Und genau darin liegt für mich ein wichtiger Unterschied.

Rücksichtnahme bedeutet nicht, sich selbst zurückzunehmen.

Harmonie bedeutet nicht, dass niemals jemand anderer Meinung sein darf.

Und eine gute Beziehung bedeutet nicht, dass einer seine Bedürfnisse aufgibt, damit der andere zufrieden ist.

Die Waage zwischen Ich und Du

Astrologisch steht die Waage dem Widder gegenüber. Während der Widder für das eigene Ich, den eigenen Impuls und die unmittelbare Selbstbehauptung steht, richtet die Waage ihren Blick auf das Gegenüber.

Ich und Du.

Beides gehört zusammen.

Die Fähigkeit, andere Perspektiven wahrzunehmen, kann eine große Stärke sein. Die Waage kann vermitteln, abwägen, unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen und nach einem fairen Ausgleich suchen.

Doch irgendwann braucht auch das Abwägen einen eigenen Standpunkt.

Denn wenn ich ständig darüber nachdenke, was für den anderen richtig ist, kann ich den Kontakt dazu verlieren, was für mich richtig ist.

Vielleicht ist deshalb nicht die Frage:

„Wie kann ich es allen recht machen?“

Sondern:

„Wie können wir eine Lösung finden, bei der auch ich mit mir selbst im Reinen bin?“

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Harmonie beginnt nicht dort, wo alle dasselbe wollen

Echte Harmonie bedeutet nicht unbedingt, dass zwei Menschen immer einer Meinung sind.

Manchmal entsteht sie sogar erst dann, wenn beide den Mut haben, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse auszusprechen.

„Ich möchte das.“

„Ich möchte etwas anderes.“

„Lass uns schauen, wie wir damit umgehen können.“

Das kann zunächst weniger harmonisch wirken als eine schnelle Anpassung. Langfristig kann es jedoch eine viel ehrlichere Form von Verbindung ermöglichen.

Denn wer sich ständig anpasst, um die Beziehung zu erhalten, bringt irgendwann vielleicht gar nicht mehr sich selbst in die Beziehung ein.

Und was bleibt dann noch von echter Begegnung übrig?

Die Waage erinnert uns deshalb an etwas Wesentliches: Beziehung braucht zwei Seiten.

Nicht nur den anderen.

Auch dich.

Vielleicht besteht die eigentliche Kunst also nicht darin, immer die richtige Entscheidung zu treffen oder es allen recht zu machen.

Vielleicht besteht sie darin, den anderen sehen zu können, ohne sich selbst aus dem Blick zu verlieren.

Und manchmal beginnt genau dort die innere Balance.