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Der Wunsch nach Sicherheit: Was wir im Außen suchen und im Inneren finden

Oft erlebe ich im Coaching, dass Menschen sich in ihrer Partnerschaft nicht mehr wohlfühlen und Zweifel an der Beziehung aufkommen. Dann schauen wir gemeinsam darauf, ob sich etwas verändert hat: Gibt es plötzliche Veränderungen beim Partner? Hat sich die Kommunikation verändert? Oder hat einer von beiden das Gefühl, nicht mehr den gleichen Stellenwert in der Beziehung zu haben?

Dabei muss nicht zwangsläufig ein Betrug oder ein schwerwiegender Vertrauensbruch vorliegen. Häufig haben sich einfach die Dynamiken in der Partnerschaft verändert – durch die Geburt eines Kindes, berufliche Veränderungen, neue Interessen oder andere Lebensumstände.

Veränderungen im Außen oder am Partner werden dann oft als Ursache für die eigene Verunsicherung angesehen. Viele wünschen sich, der andere möge wieder so sein wie „früher“. Dabei vergessen wir leicht, dass Veränderung zum Leben dazugehört. Kein Mensch ist heute noch derselbe wie vor zwanzig Jahren. Zum Glück. Entwicklung ist ein natürlicher Bestandteil unseres Menschseins.

Innere und äußere Sicherheit -zwei Seiten derselben Medaille

Wenn wir an Sicherheit in Beziehungen denken, haben wir häufig zunächst die äußere Sicherheit im Blick. Dazu gehören beispielsweise:

  • ein verlässliches Verhalten des Partners,
  • ehrliche Kommunikation,
  • Transparenz und Offenheit,
  • Übereinstimmung zwischen Worten und Taten,
  • sowie klare Absprachen.

All das kann einer Beziehung Stabilität geben. Doch die Realität ist selten perfekt. Bedürfnisse verändern sich, Missverständnisse entstehen und manchmal sprechen zwei Menschen aneinander vorbei. Plötzlich liegen unausgesprochene Vorwürfe in der Luft und die Verbindung fühlt sich weniger sicher an.

In solchen Momenten wird deutlich: Sicherheit entsteht nicht nur durch das, was im Außen geschieht. Sie hat auch eine innere Seite. Denn selbst die verlässlichste Partnerschaft kann die eigenen Ängste, Unsicherheiten oder alten Verletzungen nicht vollständig ausgleichen.

Was wir im Außen suchen

Viele Menschen versuchen unbewusst, innere Unsicherheit durch äußere Sicherheit zu kompensieren. Sie wünschen sich einen Partner, der ihnen ständig bestätigt, dass alles in Ordnung ist. Sie möchten Gewissheit, Kontrolle oder die Garantie, dass die Beziehung für immer Bestand haben wird.

Doch kein Mensch kann einem anderen absolute Sicherheit geben. Beziehungen leben von Vertrauen – und Vertrauen bedeutet immer auch, mit einer gewissen Ungewissheit leben zu lernen.

Aus Coachingperspektive lohnt sich deshalb oft eine andere Frage:

Geht es gerade wirklich um meinen Partner – oder berührt die Situation vielleicht eine alte Angst in mir?

Nicht selten stehen hinter starken Verunsicherungen Themen wie:

  • die Angst vor Ablehnung,
  • die Angst, nicht wichtig genug zu sein,
  • die Angst, verlassen zu werden,
  • die Angst, die Kontrolle zu verlieren,
  • oder das Gefühl, nicht zu genügen.

Je stärker diese inneren Themen wirken, desto mehr wird Sicherheit im Außen gesucht.

Innere Sicherheit entsteht in uns selbst

Innere Sicherheit bedeutet nicht, immer gelassen zu sein oder keine Ängste mehr zu haben. Sie bedeutet vielmehr, sich selbst Halt geben zu können – auch dann, wenn im Außen nicht alles perfekt ist.

Im Coaching geht es deshalb nicht nur darum, die Beziehung zu betrachten, sondern auch die Beziehung zu sich selbst. Denn wer sich selbst vertrauen kann, ist weniger darauf angewiesen, ständig Sicherheit von außen zu erhalten.

Innere Sicherheit wächst, wenn wir lernen,

  • unsere Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren,
  • die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen,
  • alte Verletzungen zu verstehen,
  • uns selbst mit Mitgefühl zu begegnen,
  • und Vertrauen in die eigene Fähigkeit zu entwickeln, auch schwierige Zeiten bewältigen zu können.

Denn letztlich ist Sicherheit kein Zustand, den uns andere schenken können. Sie entsteht dort, wo wir lernen, uns selbst ein verlässlicher Begleiter zu sein.

Vielleicht besteht die eigentliche Aufgabe in Beziehungen deshalb nicht darin, absolute Sicherheit zu finden. Sondern darin, immer mehr zu einem Menschen zu werden, der sich auch inmitten von Veränderungen innerlich getragen fühlt.